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Leute, vergesst alles über irgendwelche Beifahrer-Ängste. Was man in 3 Tagen Paris auf der Strasse erlebt, ist nicht von dieser Welt!
Picture this: 3-spurige Kreuzung, es stehen aber je 5 Reihen Autos nebeneinander, die sich dann auf die Richtungen links, geradeaus und rechts verteilen. Wer mitgezählt hat kommt folglich auf 3 Spuren.
Geradeaus ist übrigens eine Baustelle. Die Ampel ist rot. Mehr oder weniger gespannt steht alles und wartet auf Grün. Man telefoniert, bohrt in der Nase, eine Lady pudert sich die Nase, ein anderer angelt zwischen 8 Flaschen Chardonnais mit dem Fuss nach seiner Patricia Kaas Cassette im Fussraum. Ein ganz normaler Tag also in Paris.
Dann endlich springt die Lampe endlich auf grün und der Kampf beginnt. Gaspedale werden getreten, Kupplungen rücken ein, Motorgeheul. Kraftschluss, es geht voran. Der Twingo ganz rechts am 16:9 Bildrand entscheidet sich blitzschnell doch für LINKS und biegt mit Todesverachtung und der eckigen Bewegung einer billig gemachten Computeranimation gnadenlos noch vor dem sich bereits zügig in Bewegung setzenden gesamten Pulk ab. Immerhin umrundet er dabei auch noch auf der "Aussenbahn" den regulären Linksabbiegerverkehr und schafft es tatsächlich noch, sich vor diesen zu pressen um mit hoher Drehzahl auf das nächste Stauende zuzurasen. Sicherlich wird er auch dort wieder einen einzigartigen Stunt zeigen, denn wir sind ja in Paris.
Später dann folgendes: Wir fahren mit unserem Voyager durch eine enge Strasse auf der Baken stehen, weil gebaut wird. Plötzlich zischt von hinten rechts an uns im Abstand von geschätzten 2,2 cm ein Kleinwagen vorbei, dass ich fast schon den Luftzug spüre, wedelt zwischen den Baken durch, setzt dann nach links zum Überholen unserer zwei Vordermänner an, sägt dort zwischen geparkten Autos und diverser Mülltonnen mit chirurgischer Präzision vorbei und zirkelt dann tatsächlich noch vor unseren beiden Vordermännern schnell wie ein Wiesel in den davor liegenden Kreisverkehr. 8 Sekunden später ist keine Spur mehr von ihm zu sehen und alles ist wie sonst. Nur einsich langsam verziehender Kondensstreifen erinnert noch für ein paar Sekunden an diesen Stunt.
Gut, dass ich zu dem Zeitpunkt bereits 3 Gläser hervorragenden Rotweins getrunken habe und das bunte Treiben von der hintersten Bank des Voyagers aus mittlerweile mit einer Mischung aus mehr oder weniger gelassenem Amüsement und an Wahnsinn grenzenden Erstaunen genieße.
Schon mal mit einem 7,5 m langem Sprinter durch Paris gefahren? Nein? Ich schon! Sobald man die Stadgrenze von Paris erreicht, wird es voll auf der Autobahn. Anders als über Land, wo man sich in die 80er Jahre zurückversetzt fühlt, da kaum ein Auto unterwegs ist, drängelt sich plötzlich derart viel Blech um einen herum in die Standt, dass einem Hören und Sehen vergeht. Allerdings sinkt auch drastisch das Tempo. Dies geht nämlich gen 0, wenn man nämlich der Lieblingsbeschäftigung der Pariser nachgeht: Dem Extrem-Stau-Stehing.
Die einzigen, die offenbar selbst durch Staus keinerlei Geschwindigkeit einbüßen, sind die Zweiradfahrer. Es kommt nämlich dauernd vor, dass üppig motorisierte Selbstmörder zwischen den Stauschlangen durchbrettern. Doch nicht ganz frei vom Überlebenswillen geben diese Ritter der Landstraße sporadisch Huptöne von sich um Spurwechsler darauf aufmerksam zu machen, dass von hinten ein ganzer Haufen kinetischer Energie anrauscht, die nicht von ihrem Kurs abgelenkt werden möchte.
Hat man es geschafft, sich in eine der Nebenstraßen durchzukämpfen, erlebt man auch ein weiteres Pariser Phänomen: Dem Extrem-Huping. Nette Mitmenschen, die durch das Einklemmen von Holzkeilen in ihre Lenkradhupe unmissverständlich andere Verkehrsteilnehmer auffordern, die Piste zu räumen (wohin auch immer). Oder sich (Stufe 2) notfalls mit Androhung von Kotflügel-Annäherung im Mikrometer-Bereich und somit unter Einsatz von sanfter Gewalt an anderen vorbeiquetschen. Quetschen ist das richtige Wort, denn die Spiegel sind längst angeklappt, hängen bereits halbtot herunter oder würden eh nach spätestens 2 Minuten komplett fehlen.
Rote Ampeln zählen abends übrigens gar nicht; beharrliche Ignoranz dieser Farbe dominiert eindeutig die Szene. Es hat bei mir etwas gedauert, dieses Prinzip zu begreifen, allerdings lief es dann plötzlich doch viel flüssiger.
Ich war jedenfalls heilfroh, den langen gemieteten Sprinter völlig unerwartet doch noch unbeschadet wieder aus dieser blechgewordenen Hölle gebracht zu hatten. Eines ist aber bei all dem Chaos klar: wir Deutsche könnten das alles so gar nicht. Weder das Parken, das Fahren noch das Miteinander. Niemals!
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