Meine Frau ist ein Beautyjunkie
Meine Frau ist ein Beautyjunkie.  Der Tragweite dieser Worte wird sich erst derjenige bewusst, der etwas Ähnliches einmal am eigenen Leib erfahren durfte. Du öffnest im Bad irgendeinen Schrank und dir kommen sofort ein halbes Dutzend Plastikfläschchen, Flakons oder Döschen entgegengekegelt. Nur schnelles Beiseitespringen rettet vielleicht noch Deinen Zeh vor dem sicheren Tod durch Zertrümmerung.

Zum Glück geht mir das nicht alleine so, denn auch Madame hat so ihre Probleme mit der Logistik in den Schränken, vor allem am Morgen, wenn Seh- und Tastorgane noch nicht auf Betriebstemperatur sind und die Koordination noch etwas zäh zu sein scheint. Ganz besonders eindrucksvoll zeigt sich dies, wenn ich noch verdientermaßen im Bett liegen bleibe, während meine bessere Hälfte schon das Bad unsicher macht. Frauen müssen sich nämlich erst ein Gesicht machen, als Kerl hingegen hat man es da einfacher. Man steht auf und hat schon eines. Also sind heftige Detonationen und Einschläge aus dem Bad zu hören wenn z. B. eine Haarspraydose mit voller Wucht in die Wanne knallt, oder auch irgend ein Duftfläschchen aus einer der obersten Etagen des mittlerweile Hochregal-lagerähnlichen Logistikzentrums genannt Badezimmer, auf den gepeinigten Fliesen einschlägt, und einen erneuten Krater hinterlässt. Stumme Zeugen von gewaltigen Kräften unerwarteter Vehemenz.

Spätestens aber wenn der Fön die Schallmauer durchbricht, abschmiert und hart zu Boden geht oder auch gegen das Waschbecken gehämmert wird, ist es mit der lieben Ruhe vorbei im trauten Heim. Stille kehrt erst dann ein, wenn die Haustüre von außen geschlossen wird und MANN sich ganz in Ruhe der morgendlichen Toilette widmen kann. Das Duschen eines Mannes ist schnell erledigt gemessen in Zeitdimensionen einer Frau, da sich zum simplen Duschen bei der Dame auch noch Dinge wie Peeling, Scrubbing and Rubbing dazugesellen, die nüchtern betrachtet der Effizienz einer raschen Morgentoilette doch so derb im Wege stehen, wie ein Gerhard Schröder einer gewissen Angela Merkel. Gut der Vergleich hinkt irgendwie, aber bevor ich diesen Gedanken zuende gedacht habe, ist auch bereits meine Rasur erledigt und das Kämmen klappt ja mittlerweile bestens mit dem Waschlappen innerhalb von Sekunden. Frisurprobleme sind etwas für Frauen oder Weicheier.

Ich erhole mich gerade noch immer von den akustischen Attacken auf mein Hörorgan, da klingelt es und von unten brüllt mir jemand entgegen: “POST!“. "Äjhh ja, ich komme runter" höre ich mich sagen und stelle fest, dass ich nicht gerade viel anhabe. In Unterhosen mache ich mich also auf den Weg nach unten, um dem netten Postbeamten seine Ware abzunehmen, der da zu so früher Stunde unterwegs ist, als ich auch noch einen peinlichen Gruß der Nachbarin „zunicke“ die offenbar höchst verwundert ist über die sich ihr in dieser frühen Morgenstunde bietende Showeinlage eines spärlich bekleideten Nachbarn.

Was tut man nicht alles für die Entgegennahme eines offenbar höchst dringend benötigten Paketes, denn es handelt sich um eine Expresssendung für meine Gattin. Torkelnd schleppe ich mich mit einem 25 Kilo – Paket wieder an der meine Show sichtlich genießenden Nachbarin, vorbei. Oben angekommen, klingelt schon das Telefon. Ich nehme an und kann es kaum fassen, als ich von einer netten Dame über die Anlieferung einer Palette Ware unterrichtet werde. „Wir würden gern so gegen 10 anliefern, passt Ihnen das?“

Noch geschwächt von der Schleppaktion des 25 Kilo Brockens gebe ich mich geschlagen und willige ein, nicht ohne zuvor mich zu erkundigen, um was es sich bei der wertvollen Fracht denn handle. „Naturkosmetik-Zutaten“ haucht mir die Speditionsfee zu und ehe ich recht verstehe, was ich da eben gehört habe, lausche ich schon dem monotonen Geräusch der Telefongesellschaft, welches ertönt, wenn jemand in der Leitung aufgehängt hat. Ich genieße also endlich meinen morgendlichen Kaffe, da klingelt das Handy. Meine Frau unterrichtet mich sogleich, dass da evtl. was für sie heute ankommen wird. Ich erwidere, dass schon etwas per Express gekommen sei und für 10 Uhr sich eine Spedition angekündigt hat, die uns eine Palette auf den Hof karren möchte. „Eine Palette“? höre ich sie sich selbst fragen. „Ach, dann hab ich mich wohl doch in der Verpackungseinheit geirrt, kam mir eh so komisch vor – aber egal, dann mache ich halt ein paar mehr.!“

Die Rede ist hier von Badebomben, diese Dinger, die man ins Badewasser wirft und die dann herrlich sprudeln wie Ahoi Brause und einen zugegeben höchst angenehmen Duft verbreiten. Nicht nur das, die Dinger machen auch die Haut zart wie einen Kinderpopo, jedenfalls schwören Madame und auch alle anderen in ihrem Kosmetikverrückten Umfeld darauf.


Abends um 19 Uhr sinke ich ermattet aufs Sofa, denn ich habe geschuftet wie ein Tier. U. a. habe ich eine Europalette Kakaobutter, 20 Liter Duftöl, 17 Kilo Natron, kiloweise Stärke abgeladen, dazwischen noch dem DPD Fahrer irgend eine für die Druidenküche höchst notwendige Essenz abgenommen, und diese ganzen Ingredienzien eingelagert. Mittlerweile murmele ich schon vor mich hin und frage mich, wo wohl die Grenzwerte für die Lagerung dieser Stoffe sind und ob ich bereits eine Sondergenehmigung dafür in diesem Wohngebiet benötige.

 „Beruhige Dich..“ tönt es an mein Ohr...“das ist alles Lebensmittelqualität. Theoretisch kannste das sogar essen“. Da man mir so was nur einmal sagt, schnappe ich mir eine der frisch fertig gestellten Badebomben und beiße beherzt hinein.

Der Umstand, dass ich diese Zeilen schreibe lässt den Schluss zu, dass ich diesen Test lebend bestanden habe. Geschmacklich allerdings gestehe ich, muss sie noch etwas an der Rezeptur feilen.