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Schonmal auf Malle gewesen? Noch nie? Dann aber los!
Also einmal im Leben muss man sich das schon gönnen. Und wer es sogar schafft, über das normale Niveau des urtypischen Malle-Touris hinauszukommen, wird mit einer landschaftlich und klimatisch wunderschönen Insel belohnt. Aber ich möchte an dieser Stelle nicht die Werbetrommel rühren, sondern mich dem widmen, was jede gehirnamputierte Amöbe im Internet auf einschlägigen Reiseportalen für 220 Tacken ab Stuttgart buchen kann: 1 Woche Malle all incl!
Man sagt ja, es sei auf Mallorca schon viel besser geworden und so. Es würde nicht mehr am Stand gepoppt und das Eimersaufen sei ja auch nicht mehr so populär und überhaupt alles sei jetzt recht harmlos und normal geworden.
OK, soviel zur Theorie.
Eins vorneweg: Mag sein, dass man nicht mehr aus Eimern säuft. Dafür halt aus Dosen, Bechern und Flaschen im entsprechende XXL Format.
Die testosteron-geboostete und reichlich Bier-gepegelte Männerwelt mit enorm anspruchsvollen Botschaften auf dem T-Shirt wie zum Beispiel "Ich will Fixxxx", "Wer sich erinnert, war nicht dabei" oder auch "Tixxxn raus und Party" tritt meist in Rudeln auf, damit man sich gegenseitig besser stützen kann, denn die paar funktionierenden Rest-Synapsen lassen nur noch die gröbsten Impulse durch. Die Rede ist von solchen, die ausschliesslich lebensnotwendige Funktionen sicherstellen. Der aufrechte Gang hat eher untergeordnete Bedeutung.
Gemeint ist Bier holen oder eben nach zumeist weiblichen, vermeintlich flirtwilligen Erdbewohnern Ausschau halten, um bei deren Anblick in Balzgeschrei oder zumindest in Posen zu verfallen, die eindeutige Signale senden sollen. Wie gesagt alles aus der Sicht eines vorzeitig von der Hauptschule abgegangenen Ruhrpott-Indianers, der erkannt hat, dass das man recht gut klar kommt, harzt man sich so durchs Leben.
Wer kann auch schon widerstehen, wenn sich in Bierglas-Form bebrillte Schwachmaten und Flachpfeifen rülpsend und lallend am Strand aufbauen, um ihre bierbäuchige Pracht - überspannt mit einer Haut, von satter UV-Einstrahlung wie eine Leuchtboje grellrot leuchtend - feil zu bieten?!
Da kommt es schon mal vor, dass der barbäuchige Roland N. aus S. seinem Kumpel Heinz P. aus F. (Nachnamen von der Redaktion geändert) eine halbe Meter lange Bratwurst aus der Grillbude mitbringt. Natürlich nicht ohne zuvor das extra- Baguettebrötchen sich in die wild bewucherte Feuchtbiotop-Achselhöhle geklemmt zu haben. Soviel Salz macht natürlich durstig, und daher hat er auch fünf Minuten später schon ein Sixpack. Nicht am Bauch sondern in der Hand versteht sich und wackelt mit geschwellter Brust (oder das, was er dafür hält) den Strand entlang und erfreut gekonnt die angetankte Damenwelt in lupenreinem Schwäbisch im Vorbeigehen mit hocherotischen Anmach-Sprüchen allerfeinster Güte.
Irgendwann gegen 14 Uhr hat sich auch die weibliche Strandbesatzung derart mit Sekt abgefüllt, dass sie endlich die Szene ebenfalls einigermaßen entspannt ertragen kann. Wenigstens hilft auch hier der Alkohol den Frauen, zumindest im Geiste für die Dauer der alkoholisierten Hirnblockade aus formfleischigen Hobby-Machos das letzte Quentchen Erotik zu generieren oder anders ausgedrückt: Auch Frauen sind in der Lage in der Not absolute Hackfressen schönsaufen!
Was aus dem Paradis bei Arenal kaum noch wegzudenken ist: In regelmäßigen Abständen wird der ahnungslose Strandbesucher und Sonnenanbeter an der Playa von einer dort häufig anzutreffenden Spezies geplagt. Gemeint sind die penentranten Strand-Animateure, die versuchen, mit rhetorisch ausgefeiltenTechniken ahnungslose Touristen zu missionieren. Da wird auch schonmal mit "Z(!)erano Schinken" versucht, einen unwiderstehlichen Köder auszuwerfen.
In breitestem schwäbischen Dialekt versucht mich also ein maximal pigmentierter Erdenbürger der Lippen hat, die faszinierenderweise fast so dick wie Weißwürste sind, davon zu überzeugen, mich abends in einem benachbarten Biertempel einer Druckbetankung hinzugeben. Lediglich der Umstand, dass er mir in seinen dem Nirvanazustand gleichkommenden Ausführungen dann definitiv doch keine 72 Jungfrauen versprechen kann, lässt mich dann kurzfristig von meinem bier-extremistischen Vorhaben abkommen, mich abends in der "Schinkenstrasse" von DJ Rudolf und seinen lustigen Masturbanten ins unterhaltungsmäßige Koma schnalzen zu lassen.
Hat man erst mal noch ein paar feste Regeln verinnerlicht, fällt auch die Orientierung - sowohl tagsüber als auch nachts leichter:
Tagsüber ist das Massage Business Mallorcas fest in asiatischer Hand. Nur die kleinen Hände vietnamesicher Damen scheinen geeignet genug, tagsüber die schwitzenden Leiber Cellulite-bepackter Mutanten und deren Schwabbelfalten und Schwitz-Nischen artgerecht zu versorgen und zu bekneten.
Gefakte Brillen kauft man bei den Schwarzen Einwanderern, ebenso wie mit Nervfaktor 1000 serienmäßig daherkommenden Magnet-Erbsen, die - geschickt geworfen - ein nervtötendes brrrrrr-ssst Geräusch erzeugen. Die Jungs sollten eigentlich in deutschen call center anzufangen zu arbeiten. Denn sie scheinen von Mutter Natur mit Nervenbahnen gesegnet zu sein, die breit wie Eisenbahnschienen sind. Selbst wenn man eine Sonnenbrille aufhat, noch vielleicht gerade die der Frau in der Hand hält - es hält die engagierten Brillenscouts nicht davon ab, einem noch eine weitere mit dem perfekt einstudierten englischen Spruch "wanna sunglasses" anzubieten. Der Trend geht ganz offenbar zur dritt- oder viert-Brille.
Wahrscheinlich für die Anmache zu später Stunde obligatorisch, wenn Hirnströme zur Artikulation nicht mehr stark genug sind, um den Arsch eines Glühwürmchens auch nur ansatzweise zum Glimmen zu bekommen.
In den diversen Bierhallen kann man sich mittags entweder am Freibier verweilen, oder sich gleich nen ganzen 10 Liter Zylinder auf den Tisch stellen lassen, den man dann gemeinsam oder - je nach Not - auch alleine in sich hereinkippt. Untermalt wird alles mit volksmusikalischem Geräuschsumpf, der einen automatisch zum verstärkten Alkoholkonsum zwingt: Trinke um zu vergessen kann hier nur das Motto heissen.
Kein Wunder also, dass die Spanier von uns Deutschen einen leicht verzerrtes Bild haben, wo in S'Arenal der kulturelle Stellenwert des beschriebenen "Feierns" enormem Stellenwert eingeräumt wird. Und das, wo doch Mallorca so viel mehr zu bieten hat....
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